Halbzeit in Paris

Nachdem ich nun schon 2 Wochen bei der CGT in Paris arbeite, sind mir zwei grundlegende Unterschiede zwischen der österreichischen und der französischen Gewerkschaft aufgefallen. Zum einen sind die französischen Gewerkschafter (zumindest in der CGT, der größten Teilorganisation) politisch sehr links, eher kommunistisch geprägt als sozialdemokratisch, daher auch kämpferischer – das zeigt sich auch in der Terminologie: Sie nennen sich „militants“ (Aktivisten).

Der zweite große Unterschied: Obwohl Frankreich mit 8% (Österreich 28%!) zu den Ländern Europas mit dem geringsten gewerkschaftlichen Organisationsgrad zählt, schaffen sie es immer wieder, die Massen (anders als in Österreich) erfolgreich zu mobilisieren, so wie ich es am 1. Mai selbst erleben durfte; und zwar nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch Studenten, Pensionisten und die verschiedensten NGOs – in Frankreich ist das Wort „solidarité“ also nicht nur Lippenbekenntnis, sondern es wird wirklich gelebt – das finde ich schon sehr bemerkenswert.

 

Gestern war ich zu einer Sitzung der CGT in der Region Meuse (Nordfrankreich, Grenze zu Belgien) eingeladen. Es wurden vor allem Themen diskutiert, die Frauen betreffen; im Grunde genommen die gleichen Punkte, die bei uns relevant sind (Gender Pay Gap, gläserene Decke, Sexismus und Gewalt gegen Frauen am Arbeitsplatz) – und (Sorry, liebe ÖGB – Männer 🙂 ) auch hier zeigte sich ein augenscheinlicher Unterschied zum ÖGB. Es waren ungefähr gleich viele Männer und Frauen bei der Sitzung, und auch die Männer haben sich bei den Diskussionen vehement für die Anliegen der Frauen eingesetzt.

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