Im Süden Italiens ist der Euro mehr wert als im Norden…

Die Pizza in Bozen kostet mehr als doppelt so viel als in Palermo. Nach drei Wochen bin ich überzeugt, in Bozen lebt sich´s ganz schön teuer. Dieser Eindruck wird mir von den KollegInnen des  ASGB auch bestätigt.

Am Essen, dem essentiellsten für mich während meines Praktikums wird es offensichtlich. Ermäßigte Wochenmenü´s, Fehlanzeige. Suppen gibt es selten und wenn dann kosten sie von 6€ aufwärts, für einen Salatteller blättert man wenigstens 9€ auf den Tisch. Anfangs dachte ich noch diese Preise sind nur im Zentrum, wo der Tourismus beheimatet ist so hoch. Rasch merkte ich allerdings, dies sind die gängigen Preise in der Region.

Nachdem meine Praktikumsbegleiterin auch noch erzählt, dass man in der Region für eine durchschnittlich 70qm Eigentumswohnung zwischen 250.000 und 300.000€ hinblättert und ich seit ich hier bin auch noch keine Tankstelle gesehen habe bei der Benzin weniger als 1,5€/l kostet, frage ich mich – wie kann sich die Bevölkerung das leisten?

Verstärkt wird diese Frage dadurch, dass die GewerkschafterInnen zu Beginn erzählten, dass die Gehaltstabellen der nationalen Kollektivverträge für ganz Italien Anwendung finden. Nun will ich es genau wissen, vor allem ob und wie die ArbeitnehmervertreterInnen auf das extreme Ungleichgewicht der Lebenshaltungskosten zwischen Nord und Süd reagieren. https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/bozen-ist-die-teuerste-stadt-in-italien

Meine Recherchen in diesem Bereich ergaben, ja – sie tun es. Auf eine eigene Art und weise. Es werden zwar die geltenden nationalen Gehaltstabellen eingehalten, allerdings verhandeln die Gewerkschafter für die Regionen und/oder Branchen Zusatzverträge.

Diese Verträge gelten zu den nationalen Kollektivverträgen. Das Anfangsgehalt setzt sich hier aus den zwei Elementen, der Sonderergänzugszulage (geregelt im regionalen KV) und dem Grundgehalt (geregelt im nationalen KV) zusammen. Ein weiteres Lohnelement bilden vielerlei Zulagen wie z.B. Zulage für den Gebrauch der ladinischen Sprache, Aufgabenzulage, Koordinierungszulage, usw. Diese Zulagen können kumuliert werden und machen zum Teil 25 – 100% des „Anfangsgehaltes“ aus. Damit erklärt sich auch wie es möglich ist hier finanziell über die Runden zu kommen.

( der zweisprachige Zusatzkollektivvertrag der Südtiroler Landesregierung)

Eine Besonderheit sind weiters, anhand der Produktivität des Betriebs mit der Gewerkschaft geschlossenen Betriebsabkommen, die eine finanzielle Beteiligung der ArbeitnehmerInnen an den Zuwächsen garantieren sollen.

Es ist nicht immer alles Gold was glänzt. Einerseits geht es der Wirtschaft in Bozen und Südtirol sehr gut, die Beschäftigungsrate liegt bei über 70% (Kalabrien 37%) das Durchschnittseinkommen (35.000€) ist das höchste in Italien. Andererseits muss man es sich trotz aller Bemühungen der Gewerkschaften einen Ausgleich zu schaffen, auch leisten können hier zu leben. Die Lebenshaltungskosten sind auf jeden Fall viel höher als anderswo im Stiefelland.

Beschäftigte im privaten Sektor, vor allem in Klein- und Mittelbetrieben oder im Gastgewerbe fallen leicht durch den Rost. Ebenso Pensionisten oder jemand der vom Mindesteinkommen in der Höhe von 501,98€ leben muss. Wie immer hat jede Medaille zwei Seiten und es gibt für die GewerkschafterInnen noch viel zu tun.

Gewerkschaft, Arbeit, Leben……. Es geht spannend weiter, Fortsetzung folgt….

 

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