May Day in London in Bildern & eine kurze Geschichte des Ersten Mai

Bilder von der Ersten Mai Demo aus London und eine kurze Geschichte des Internationalen Kampftag der ArbeiterInnenklasse.

Bilder der Ersten Mai Demo in London

Internationale Kampftag der ArbeiterInnenklasse

Der Erste Mai ist der „Internationale Kampftag der ArbeiterInnenklasse“. Wie es dazu kam, ist ein wenig in Vergessenheit geraten: 1886 rief die nordamerikanische ArbeiterInnenbewegung am 1. Mai zu Generalstreiks auf, um den Achtstundenarbeitstag durchzusetzen. Auch in Chicago erklärten sich die ArbeiterInnen solidarisch und forderten ein Ende des 12-Stunden-Arbeitstages. Die Folge waren Massenaussperrungen. Der Versuch der Arbeitgeber freie Stellen mit StreikbrecherInnen zu besetzen scheiterte aber. Im Gegenzug folgten mehrtägige Proteste der ArbeiterInnen.

Am 3. Mai schoss die Polizei auf eine Versammlung von friedlich Streikenden und tötete sechs Arbeiter. In der Nacht versammelten sich wieder tausende Streikende und marschierten zum Haymarket Square. Die Lage eskalierte am 4. Mai, als die Polizei die Versammlung stürmte und darauf eine Bombe innerhalb der Menge detonierte. Bis heute konnte nicht nachgewiesen werden, von wem die Bombe geworfen wurde – Fakt ist, die Bombe tötete Polizisten und Streikende gleichermaßen. Die Polizei feuerte daraufhin in die Menge, tötete etwa 20 ArbeiterInnen und verletzte 200 teilweise schwer.

Acht Anarchisten, die die Kundgebung organisierten, wurden ohne Beweise der Verschwörung angeklagt, vier von ihnen hingerichtet. August Spies, Chefredakteur der deutschsprachigen Chicagoer „Arbeiter-Zeitung“, Albert Parsons, Herausgeber der anarchistischen Wochenzeitung „Alarm“ (und Ehemann der berühmten Mitgründerin der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft IWW – Industrial Workers of the World, Lucy Parsons), George Engel und Adolph Fischer wurden erhängt. Louis Lingg beging in seiner Zelle Selbstmord. Oscar Neebe wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Todesurteile gegen Michael Schwab und Samuel Fielden wurde in lebenslange Haft umgewandelt.

Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen 1889 wurde zum Gedenken an die Toten des Haymarket Riot der Erste Mai als „Internationale Kampftag der Arbeiterklasse“ ausgerufen.

Treppenwitz der Geschichte

Welch Ironie: Setzten zuvor die ParteisozialistInnen – also all jene, die die Bildung nationaler ArbeiterInnenparteien forderten – eigenmächtig dem Strömungspluralismus innerhalb der Bewegung und damit auch der Ersten Internationalen ein jähes Ende. Solidarisierten sie sich nun mit dem Gedenken an den Haymarket Riot genau mit jenen AnarchistInnen, denen sie den Zutritt zur Zweiten Internationalen verweigerten – obwohl diese während der Ersten Internationalen noch zu den stärksten Fraktionen der ArbeiterInnenbewegung gehörten.

Welche Folgen die Durchsetzung nationaler ArbeiterInnenparteien hatte, sieht man an den Gründen, warum sich die Zweite Internationale schlussendlich auflöste: Die nationalen ArbeiterInnenparteien arrangierten sich während des Ersten Weltkrieges mit ihren kriegführenden Regierungen. Die „Internationale Solidarität“ existierte nur noch auf dem Papier.

⇒ Eine etwas ausführlichere „short history of May Day“.
⇒ Louis Lingg – Rede vor Gericht

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