Mitgliederwerbung in der Schweiz

Mittwoch

Der Mittwoch begann bei Schneefall mit einer Peko – Sitzung bei der Firma Stadler (Bau von Loks für ua. für die Schweizer Bahn). Für die Schweizer BetriebsrätInnen gibt es keine rechtliche Grundlage, sie wählen und agieren auf Basis einer Vereinbarung mit dem Betrieb. Für 1700 Kolleginnen und Kollegen im Betrieb gibt es 4 Peko Mitglieder ( BetriebsrätInnen). Freistellung von BetriebsrätInnen ist hier ein Fremdwort! In der Schweiz gibt es weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld , sondern ein 13 Gehalt, welches abhängig vom Gesamtarbeitsvertrag ist.( Manche haben eines, viele nicht) Die Firma Stadler hat einen. ( sozusagen einen Betriebskollektivvertrag). Großes Thema dieser Peko Sitzung war folgendes: Es ist gesetzlich erlaubt, dass bei Abwesenheit von mehr als 1 Monat im Jahr (Krankheit!, Militär, unbezahlter Urlaub) der Anspruch auf Ferien (Urlaub) aliquot gekürzt wird. Dies soll auch auf die Geldleistung (13. Gehalt) übergehen. Ich war schockiert! Am Nachmittag ging es raus in den Außendienst!

Donnerstag

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Mitgliederwerbung. Ich hab mich schon gefreut aber Leute ich sag´s euch, ich hab sowas noch nicht erlebt. Die Gewerkschaften dürfen hier nicht in Betriebe rein , als Alternative fahren sie von Baustelle zu Baustelle um den Kontakt zu den Leuten zu finden. Bei der ersten Baustelle war ich noch etwas zurückhaltend, ich kam mir wie ein Einbrecher vor. Total ungewohnt. Aber hier jemanden zu überzeugen Gewerkschaftsmitglied zu werden ist fast unmöglich. Zum einen ist eine große Herausforderung , dass es neben der Unia noch eine andere Gewerkschaft gibt ( die viele Mitglieder hat) , die nicht zum Schweizer Gewerkschaftsbund gehört und de facto Konkurrent ist , zum anderen ist es schwierig einen Beschäftigen zu werben der keinen Gesamtarbeitsvertrag (Kollektivvertrag) hat. Teilweise wurden wir auch wüst von den Polieren, Bauherrn etc. beschimpft und angegangen. Nach 5 Großbaustellen , unzähligen Gesprächen mit Leuten aus einigen Nationen (Italien, Portugal, Spanien, Bosnien, Deutschland) und einem geworbenen Mitglied war auch der heutige Tag sehr spannend, aber auch ein wenig deprimierend. Einziger Wehmutstropfen waren viele Unterschriften für unsere Kampagne. Da die Arbeitgeber im Baussektor die Löhne kürzen wollen, sammeln wir Unterschriften auf Ziegelsteinen , die dann alle in Bern bei einer Veranstaltung symbolisch gezeigt werden.

Fazit der letzten beiden Tagen:

Mir ist jetzt schon sehr bewusst geworden, wie sehr gut es uns in Österreich im Bezug auf die Arbeit / Möglichkeiten der Gewerkschaften und der BetriebsrätInnen geht. Ich bewundere die Kolleginnen der Unia hier sehr, wie sie dennoch Tag für Tag kämpfen. Und ich sehe es als absolute Verpflichtung ihnen meine volle Unterstützung zu geben

Gemeinsam sind wir stark! 

Ein Gedanke zu „Mitgliederwerbung in der Schweiz

  1. Lieber Markus
    Wir danken dir jetzt schon für deine Unterstützung und auch für deine Offenheit! Bei uns sieht die Welt genau so aus, wie du es hier beschrieben hast. Durch dich wissen wir aber auch mehr, wie es sein sollte 😉

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