Paris nach den Wahlen

Siegesfeier beim Louvre

Frankreich atmet auf (und auch der Rest von Europa): Emmanuel Macron hat sich schlußendlich doch recht deutlich von Marine Le Pen absetzen können und die Wahl zur französischen Präsidentschaft gewonnen.

Ich habe die Wahlentscheidung in einem Café in St. Germain miterleben dürfen, und es war beeindruckend zu sehen, wie sich die Leute spontan um den Hals gefallen sind und Freudentränen vergossen haben, und da ist mir bewusst geworden, wie riesengroß die Erleichterung für die Mehrheit der Franzosen (immerhin 65%) gewesen sein muss, dass nicht die rechtsextreme Marine Le Pen das Rennen gemacht hat.

Später die präsidentielle Siegesfeier von Macron vor dem Louvre, und das (wahrscheinlich) nicht ganz zufällig: Der Louvre, erst Residenz der Könige, dann erstes Kunstmuseum der Welt; seit dem Bau der Pyramide 1987 ist hier das Historische mit dem Modernen verbunden, damit will er auch die  Veränderung, von der in seiner Rede immer wieder spricht bildlich symbolisieren.

Untermalen von den Klängen von Beethovens neunter Symphonie, der Europahymne, kommt  Macron auf den Platz. Er beginnt seine Rede, und es ist für jeden etwas dabei. „Europa und die Welt erwartet von uns den Geist der Aufklärung“sagt Macron für seine Basis, die nicht mehr ganz so Jungen, die Arrivierten, die Gutausgebildeten. „Eine Welt mit mehr Sicherheit, für alle Franzosen“, sagt er für jene Rentner, die, weil sie die Auswirkungen der Kollaboration noch kennen, niemals an eine Stimme für Marine Le Pen dachten. Er spricht von einer erneuerten Wirtschaft, besseren Schulen, blühender Kultur. Und die Leute (auffallend: sehr viele junge Menschen sind da) sind begeistert von ihm, und das ist irgendwie elektrisierend.

Ich (als überzeugte Europäerin und Antirassistin) war natürlich auch sehr erleichtert, dass Marine Le Pen es nicht geschafft hat. Doch als Gewerkschafterin bleibt auch ein weinendes Auge: Emmanuel Macron’s proeuropäische Haltung ist natürlich vor allem durch seine wirtschaftsliberale Einstellung bedingt; eines seiner Hauptanliegen ist es ja, die Arbeitsrechte (Kündigungsschutz etc.) zu lockern. Wobei ja nichts so heiss gegessen wird, wie es gekocht wird: Um seine Reformpläne durchzusetzen, braucht er auch eine Mehrheit im Parlament, und das wird erst im Herbst gewählt. Und da in Frankreich die Parteienlandschaft sehr zersplittert ist (mit einem starken Linksblock), ist es mehr als fraglich, ob er das alles wirklich so umsetzen kann. Wobei man ihm andererseits wieder positiv anrechnen muss, dass er sich auch für soziale Mindestsandards in der EU einsetzen will.

Ein Gedanke zu „Paris nach den Wahlen

  1. Ich stelle mir die Frage wie man das feiern kann. Ein Präsident der Gewerkschaften einschränken will Arbeitnehmer Gesetz aushebeln will. Da gibt’s absolut nix zu bejubeln oder feiern. Kein Grund hier. Im Deutschen Fernsehen sind schon Kommentare genau in die gleiche Richtung, endlich ein Weg in Europa um die Gewerkschaften in ihre Schranken zu weisen. Gesehen gestern bei Lanz. Bin mir nicht sicher ob in Frankreich Ruhe einkehrt oder der erste Weg zu Bürgerunruhen. Aber die Geschichte wird es uns weißen ob in ein paar Jahren Frankreich ein totales Chaos herrscht, und die Rechten einen absoluten Sieg hier dann feiern können.

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