Tag 12 – Göteborg

Sehr bald am Morgen (diesmal beabsichtigt) machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof (diesmal zum richtigen) und fuhr mit dem „Arlanda-Express“ zum Flughafen. Um diese Uhrzeit sind nicht sehr viele Leute unterwegs, was mir ermöglichte innerhalb von 10 Minuten den gesamten Prozess am Flughafen durchzuführen.

Im Flugzeug beschäftigte ich mich mit dem Buch, das wir von unserer Lehrgangsleitung zu Weihnachten bekommen hatten. Die Geschichte, von einer Arbeiterfamilie im damaligen roten Wien. Sehr spannend → solltet ihr auch mal lesen.

Bei meiner Ankunft in Göteborg bekam ich eine sehr ausführliche SMS, wie meine Kontaktperson aussieht und wo sie auf mich warten wird. Auf Grund dessen war es sehr einfach für mich Caroline zu finden.

Ursprünglich sollte ich mit einem der 5 Mitglieder, des „youth committee“ namens Chris herum reisen, dieser ist aber eine Woche zuvor Vater geworden. Am Vortag rief er mich extra an und erklärte mir den bevorstehenden Tag und wir konnten noch einige Fragen klären.

Kommunikation…

Caroline ist eine sehr freundliche Person, die mit ihren 27 Jahren wesentlich jünger aussieht. Unsere Gespräche gestalteten sich ein wenig schwierig, da unser beide Englisch-Kenntnisse Grenzen aufwiesen. Für mich bestand die Kunst darin, eine Lehre und den Unterschied zwischen Arbeiter und Angestellten in anderen Worten zu erklären. Für Caroline wurde es schwierig ihren Job auf Englisch dazustellen. In unserem Land würde ich sagen, Caroline ist Betriebsrat in einer Überlassungsfirma. Keineswegs wird sie für die Tätigkeit mich herum zu kutschieren von ihrem Arbeitgeber bezahlt, die IF-Metall übernimmt ihren Lohn für diesen Tag.

Station 1 – Adient…

So war unsere erste Station die Firma „Adient Sweden AB“. Damals war diese Firma noch bei Volvo inkludiert und nun seit einigen Jahren eigenständig. Sie stellen die Autositze für Volvo her und arbeiten also mit Volvo eng zusammen.

Hier wird jeder Sitz individuell angefertigt, was bedeutet, dass nicht nur eine Linie produziert wird, sondern über 3.000 und jeder Sitz eine eigene Nummer haben muss, um keine anderen Gerätschaften einzubauen. Die Mitarbeiter müssen also jeden Handgriff genauestens wissen um keinen falschen Sitz herzustellen.

Zu Beginn wurde ich in die Welt des Gewerkschaftsclubs der „Adient“ eingeführt und musste ebenso viele Fragen beantworten, wie es den in Österreich sei. Im Anschluss durfte ich jeden Prozess der Montagelinie begutachten. Lustig zu sehen, wie Leute auf einmal nervös werden, wenn Fremde dich genauestens beobachten und noch dazu in Englisch sprechen. Sobald sich heraus stellte, dass ich von der österreichischen Gewerkschaft komme, wurde auf einen Schlag die Lage sehr viel entspannter. In diesem Betrieb scheint die Gewerkschaft sehr beliebt zu sein, was mich sehr freut zu sehen, denn hier spricht kein Mitarbeiter mit dem Vorgesetzten ohne dies vorher mit der Gewerkschaft zu besprechen. Hier gibt es also für die IF-Metall genug Arbeit.

Es gibt kein „Mahlzeit“ auf Schwedisch…

Gegen halb 10 fuhren wir Mittagessen zu einem türkischen Restaurant. Caroline achtet immer darauf, nur dort essen oder einkaufen zu gehen, wo es einen Kollektivvertrag (auf Betriebsebene) gibt.

Station 2 – SKF

Danach besuchten wir die Firma „SKF“, die auch in Oberösterreich (Steyr) angesiedelt ist. Hier werden Kugellager hergestellt, aber die richtig großen! Ich fühlte mich hier wie zu Hause, denn genau diese Tätigkeiten hatte ich in meinem vorherigen Beruf ausgeübt. Auch für Caroline war dies die erste Firmenbesichtigung.

Voll kontinuierliches Schichtsystem…

Hier wird in Schichten gearbeitet und dies rund um die Uhr inklusive Wochenenden. Je nach dem gibt es eine Tagschicht oder auch 2er, 3er, 4er oder 5er Schichten. Wobei ich anmerken muss, dass ich das System dahinter nicht erkennen konnte.

Beispielsweise arbeiten die Mitarbeiter an einem Freitag und Samstag in der Nacht  12 Stunden, Sonntag bis Mittwoch gibt es eine normale Nachtschicht und weiter weiß ich nicht genau, aber ein Mix aus Frei-, Früh- und Spätschicht. Ich kann nicht behaupten, dass dies Gesund für den Körper ist und ich durfte auch mit vielen Mitarbeitern persönlich sprechen, die meine Meinung teilten.

Mittelgroßes Lager

Aufgaben…

Die neuste Lage, mit denen die „Betriebsräte“ zu kämpfen haben, sind die befristeten Dienstverträge. Vor 2 Jahren wurden einige Arbeiter gekündigt. Nun sind sie wieder auf derselben Mitarbeiteranzahl, jedoch mit enorm vielen befristeten Verträgen. Dies löst natürlich eine große Unsicherheit unter der Belegschaft aus.

Zu dem Clubsystem der SKF…

Jede „Factory“ also in meinen Augen → jede  Halle hat seinen eigenen Betriebsrat und das dazugehörige Team. Weiteres gibt es in diesen einzelnen Hallen eine Arbeitsgruppe, die aus normalen Mitgliedern besteht. Ich zum Beispiel wurde von einem „Memeber“ herum geführt, von jenem ich nebenbei gesagt, diese ganzen Informationen habe.

Dessen Aufgabe ist es, die Informationen an die Mitarbeiter weiterzugeben und ihre Ansichten zu vertreten und wieder in das Gremium zu tragen. Da die Firma „SKF“ in Göteborg sehr groß ist, gibt es einen „Centralclub“ wo jeder Vorsitzende der verschiedenen Hallen ein Büro besitzt. Sprich die IF-Metall hat hier ihr eigenes Gebäude. Die Kunst besteht darin, miteinander zu arbeiten. Sollte sich in einer Halle etwas ändern, so betrifft es auch den Prozess in den anderen Hallen.

Resümee…

Der Sinn des heutigen Tages bestand darin, mir den Unterschied zwischen einem eher kleineren und großen Betrieb zu zeigen. Wieder konnte ich viele Dinge lernen, die ich mit nach Hause nehmen kann und hatte endlich die Möglichkeit vor Ort mit den Arbeitnehmer/innen zu sprechen. Am Abend wurde ich am Flughafen abgeliefert und begann meinen Reise zurück nach Stockholm.

 

Mani

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