#Unite – Local Authorities Sector

Der „Local Authorities Sector“ in der Unite umfasst u.a. Beschäftigte der kommunalen Behörden, den Pflegebereich, Schulen, Universitäten, Polizei und outgesourcte ArbeitnehmerInnen aus staatswichtigen Unternehmen (Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft, Energie). Der Brexit stellt diesen Sektor und die Unite vor großen Herausforderungen. Ein Kommentar zu dem Gespräch mit Fiona Farmer, National Officer der Unite.

Hard facts

1,4 Millionen ArbeitnehmerInnen arbeiten im Sektor der Local Authorities, davon ~900.000 Frauen. Etwa 80.000 Beschäftigte sind in der Unite organisiert (68 % Männer und 32 % Frauen). Ebenfalls in diesem Sektor aktiv sind die Gewerkschaften Unison (vor allem im Pflegebereich stark) und GMB, mit denen es eine gute Zusammenarbeit gibt.

Der Local Authorities Sector ist ein Niedriglohnsektor. Zweidrittel gelten als „lowest paid workers“. Die kommende Anhebung des nationalen Mindestlohns wird den durchschnittlichen Verdienst dieser Zweidritteln der ArbeitnehmerInnen übertreffen. Im Moment liegt der nationale Mindestlohn bei £ 7,50 (~8,80 €), bei sehr hohe Lebenskosten in Großbritannien. London hat aufgrund der hohen Preise einen eigenen Mindestlohn von £ 9,25 (10,95). Um tatsächlich aber ein gutes Auskommen zu finden, ist mindestens ein Lohn von £ 10 (11,84 €) Vorraussetzung. Aufgrund dieser Lohnsituation sind 25 % der ArbeitnehmerInnen in diesem Sektor auf staatliche und kommunale Hilfsleistungen angewiesen. Seit 2010 wurde das Budget der „local authorities“ um 37 % gekürzt. 250.000 Arbeitsplätze gingen durch diese massiven Einsparungen verloren. Bis 2020 werden 57 % Einsparungen gegenüber dem Jahr 2010 erwartet. Die Unite kämpft für eine fixe Lohnerhöhung von £ 1 per hour, da eine prozentuale Lohnerhöhung das Lohngefälle zwischen Wenig- und Gutverdienende weiter vergrößern würde.

Brexit

(c) CC0 Public Domain

Der Brexit wird einen harten Einschnitt im Leben der Menschen bedeuten und davon wird auch der Local Authorities Sector stark betroffen sein. Viele der Menschen, die in diesem Sektor arbeiten, sind von EU-Förderungen abhängig, die bei einem Austritt aus der EU wegfallen. Das wiederum bedeutet eine weitere Verschärfung der Arbeitsbedingungen (mehr outsourcing). Nicht weniger problematisch wird der Wegfall von EU-Richtlinien sein. Wie etwa die Regelung von mindestens 11 Stunden durchgehende Ruhezeit. Nationale Gesetze, die den Wegfall dieser EU-Richtlinie auffangen würden, gibt es nicht.

Die kommenden Wahlen stehen ganz im Zeichen des Brexit. Ein Erdrutschsieg für die Tories wird erwartet. Viele Menschen sind enttäuscht und verärgert über ihre Lebenssituation. So erleben wir auch hier ein altbekanntes Bild: Die Parteien, die verantwortlich sind für den Niedergang des Sozialsystems, die rechten, neoliberalen Parteien profitieren durch ihre gleichzeitige Angstmache am meisten davon. Ein Teufelskreis.

Strategien gegen den Neoliberalismus

Wenig überraschend sind das die auch bei uns diskutierten Themen. Eine Anhebung der Löhne (auf mindestens £ 10) würde die Volkswirtschaft ankurbeln. Die Menschen würden mehr ausgeben, die Konsumkraft würde steigen. Eng damit zusammenhängend ist natürlich die Beschäftigung von Menschen, sowie die qualitative Verbesserung des Ausbildungssystems. Ein soziales Netz ist wichtig, nicht nur für die Menschen selbst, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Gute Arbeit für ein gutes Leben. Das wäre ein – der Ausbruch aus dem von rechten, neoliberalen Parteien selbst geschaffenen Teufelskreis.

Danke an Fiona Farmer für dieses interessante Gespräch und die zahlreichen Informationen (die noch weiter aufzuarbeiten sind).

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