Which Side Are You On?

Wie bei jeder Entscheidung, so stellt sich auch bei Wahlentscheidungen die Frage: „Which Side Are You On?“. Bist Du auf der Seite der Reaktion, der Rückwärtsgewandten? Bist Du auf der Seite derer, die Großbritannien in Sachen Arbeitsrecht zu einem „Europe’s Singapore“ machen wollen? Bist Du auf der Seite derer, die demokratische Grundrechte, wie das Versammlungsrecht einschränken wollen? Die Arbeits- und Sozialrechte, Kollektivverträge und Gewerkschaften attackieren?

Oder bist Du auf der Seite der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Solidarität?

Lob der Dialektik

Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden.
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:
Jetzt beginne ich erst.
Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
Was wir wollen, geht niemals.

Wer noch lebt, sage nicht: niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben,
Werden die Beherrschten sprechen.
Wer wagt zu sagen: niemals?
An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird?
Ebenfalls an uns.
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen,
Und aus Niemals wird: Heute noch!

Bertolt Brecht

7 Gedanken zu „Which Side Are You On?

  1. Lieber Stefan,

    das Video bedrückt. Brechts Worte sollten lehren. Wenn ich aber an die Digitalisierung denke, dann schaudert es mich.

    Ein kleines Denk-Szenario: Die gesamte Verwaltung eines Staates wird digitalisiert und es bleiben nur mehr Polizisten über, welche für die Sicherheit eines Landes sorgen werden. Na ja, IT-Techniker überwachen die Hardware. Die Software ist Händen der Unternehmen. Prozesse steuern die Arbeit, Bargeld ist ohnehin unnütz.
    Aber dies ist kein Denk-Szenario, denn Schweden schafft das Bargeld bereits ab und in Lettland soll die Verwaltung immer mehr digitalisiert und somit „verbessert“ werden.
    Wenn ich ein wenig in diese Richtung denke, dann könnte ein globalisierter Mindestlohn zum Durchschnittslohn werden.

  2. Szenarien die es zu verhindern gilt. Ein weiteres Zitat, das abwechselnd Rosa Luxemburg aber auch Bertolt Brecht zugeschrieben wird: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Wir werden tun was wir tun müssen und immer schon getan haben. Hat ja auch niemand jemals behauptet, dass der Kampf für die bessere Welt einfach sein wird. 😉

    Freu mich schon, das gemeinsam und solidarisch machen zu können! 🙂

  3. Ja in Schweden findest du nicht mehr viele mit Bargeld. Jedoch ist es an jedem Platz möglich mit schwedischen Kronen (oder auch in Euro) zu bezahlen. Die „Bargeldabschaffung“ wurde jedoch genauso von der schwedischen Gewerkschaft gefördert. Warum? Weil es sicherer ist mit Karte zu bezahlen, es ist alles nachvollziehbar und die Wahrscheinlichkeit ausgeraubt zu werden ist sehr gering. Schwarzarbeit findet nur in gewissen Sektoren statt, die Betriebe können auch nicht mehr Überstunden illegal bezahlen. Man wird sehr skeptisch angesehen, wenn man mit Bargeld bezahlen möchte. Jedoch versuchen sie den gesetzlichen Mindestlohn zu verhindern und auch auf internationaler Ebene (auch wenn sie verstehen, dass manche Länder dies sogar weiter bringen würde).
    Sry wollte auch meinen Senf abgeben.

  4. Es gibt auch massive Kritik in Schweden am bargeldlosen Zahlungsverkehr. So hat eine Enquetekommission des Schwedischen Reichstags eine „umfassende Bargeldversorgung“ durch die schwedische Reichsbank gefordert, die ja 2005 aufgehoben wurde. Die Initiative zum bargeldlosen Bezahlen ist in Schweden nicht im Auftrag der Regierung, des Parlamentes umgesetzt worden, sondern ist eine Umsetzung der Finanzindustrie und die hat das eher aus Gewinnmaximierung getan (Gebühren). http://blogs.faz.net/fazit/2015/05/18/bargeldaufstand-in-schweden-5838/

    Datenschutzbeauftrage schlagen auch Alarm, weil so jede Anonymität beim Einkauf verloren geht. Auch ist eine Zunahme der Cyberkriminalität sehr wahrscheinlich. Und vielleicht das Hauptproblem: Man kann Menschen sehr schnell aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ausschließen, in dem man die technischen Zahlungsmöglichkeiten verweigert. Bzw. es den bargeldlosen Zahlungsverkehr für manche Menschen einfach nicht gibt (z.B. Obdachlose).

  5. Ja das stimmt! War glaub ich einer meiner ersten Fragen in Schweden. Gewerkschafter finden das aber total in Ordnung → weil eben sicherer! Obdachlose gibt es hier leider viele in Stockholm. Sie betteln um Geld! Wie gesagt, man kann NOCH überall mit Bargeld bezahlen. Ich hoffe das bleibt so!

  6. Für die Kontrolle von Überstunden, Schwarzgeldzahlungen ist es sicher absolut vom Vorteil. Meines Wissens war so um 2012 die Abschaffung des Bargelds bis 2020 geplant. Aber nach der Kritik geht es eben eher wieder in die Richtung garantiertes Bargeld – wenn auch nur als „Backup“ fürs bargeldloses Zahlen. Und das ist ja dann ok.

  7. Stefan, ich habe morgen einen Termin mit der Abgeordneten vom schwedischen Reichstag! Wenn dich etwas spezielles interessiert kann ich sie gerne fragen. Ich bin auch das ganze Wochenende + Montag mit ihr auf einer Konferenz! Also werde ich mich gerne über die Lage bis 2020 informieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 + 3 =